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"Wir erzählen die Wahrheit"

von Dagmar Penzlin

30 Jahre im Journalismus

Oder warum ich meinen Beruf nach wie vor sehr mag

Am 24. November 1989 habe ich erstmals Kamera und Block eingepackt, um als Journalistin zu einem Termin zu fahren. Ein halbes Jahr vorm Abitur hatte ich als freie Mitarbeiterin beim Lokalblatt, dem Winsener Anzeiger, angeheuert. Ausschlaggebend dafür: die Begegnung mit dem Chefredakteur wenige Wochen zuvor.

Berufsberatung stand an für uns angehende Abiturient*innen in Winsen an der Luhe, und ich kam ins Gespräch mit Dr. Jürgen Peter Ravens, Historiker und eben Chefredakteur beim WA. Er sagte den entscheidenden Satz: "Wir erzählen die Wahrheit!" Das hat mich sofort begeistert. Auch wenn mir natürlich recht schnell - spätestens im Redaktionsvolontariat bei intensiven Diskussionen im Volo-Kurs - klar wurde, dass Objektivität ein wichtiges Ziel ist, aber eben auch des Vier-Augen-Prinzips bedarf und der Selbstreflektion (Welche Vorurteile und / oder Klischees verstellen eventuell meinen Blick?). Das Ziel war, ist und bleibt klar: Berichten, aufklären, zur Meinungsbildung beitragen - das kann guter Journalismus.

Am 24. November 1989 führte mich mein erster Einsatz zu einer Jahrshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr im Nachbarort. Da hatte ich gleich eine heikle Recherche zu organisieren: Gruppenfoto machen und alle Namen präzise nach Position im Bild notieren. Hat geklappt, und ich gehörte dann zum Team der freien WA-Mitarbeiter*innen, die sich freitags Wochenendaufträge abholten. Meine Artikel tippte ich noch in die Schreibmaschine und brachte sie in die Redaktion auf Papier. Nach dem Abitur stieg ich gleich ganz in die Redaktionsarbeit ein und unterzeichnete bald den Vertrag als Volontärin. Meiner Vorliebe fürs Feuilleton und für die Reportage durfte ich ausgiebig frönen neben Pflichtaufgaben wie Polizeibericht und Meldungen schreiben.

Nach Ausflug ins Musiktheater als Regieassistentin und parallel zum Studium habe ich weiter als Journalistin gearbeitet. Seit 2001 bestimmt das Radio als Medium immer wieder ungeahnter, kreativer Möglichkeiten meinen beruflichen Alltag. Ich empfinde es nach wie vor als Privileg, so viele Fragen stellen zu dürfen, akuten wie ewig relevanten Themen nachspüren zu dürfen. Auch deshalb bin ich heute einfach nur dankbar, dass ich vor 30 Jahren erstmals losgezogen bin auf Recherche und meiner Begeisterung für die "Wahrheitssuche" gefolgt bin.

 

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